Deutschland Weihnachtsurlaub

Weihnachtsbräuche in Sachsen-Anhalt

Auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt hat sich über Jahrhunderte eine Weihnachtskultur entwickelt, die bis heute lebendig ist und von Volksbräuchen und Legenden geprägt ist. Der Hallenser Autor Ernst Krziwanie geht in seinem Buch “Advent, Advent – Bräuche der Weihnachtszeit zwischen Altmark, Unstrut, Harz und Fläming” auf weihnachtliche Spurensuche.

Schon am 11. November beginnt die Vorbereitung auf die Weihnachtszeit. Mit Andachten und Laternenumzügen wird am Martinstag vielerorts des Heiligen Martin gedacht.

Im Ursprungsland der Reformation Sachsen-Anhalt wird der Martinstag auch dem Reformator Martin Luther gewidmet. Er wurde am 11. November 1483 in Eisleben getauft. Daran wird in Luthers Geburtsstadt Eisleben und seiner Wohn- und Wirkungsstätte Wittenberg mit Volksfesten erinnert. Und so gibt es in Sachsen-Anhalt am Martinstag zum Naschen nicht nur Martins-, sondern auch Lutherhörnchen.

Am 1. Advent wird es Zeit für einen Ausflug in die Adventsstadt Quedlinburg. Die Unesco-Welterbestadt mit ihren rund 1300 Fachwerkhäusern lädt zum “Advent in den Höfen” ein, 2012 erstmals am 1., 2. und 3. Adventwochenende. Seit 1997 gewähren sonst verschlossene historische Höfe Zutritt. Töpfer, Künstler und Kerzenzieher bieten ihre Waren an. Ein entzückendes und an vielen Ständen auch köstliches Vergnügen.

Ein besonderer Tag in der Vorweihnachtszeit ist für die Kumpel des Röhrigschachtes in Wettelrode bei Sangerhausen der Barbaratag (4. Dezember). Der Schutzheiligen der Bergleute wird dann eine bergmännische Weihnachtsfeier unter Tage gewidmet. In prächtigen schwarzen Uniformen fahren die ehemaligen Bergleute zusammen mit Gästen 300 Meter tief in den Schacht ein. Unter Tage wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Es wird gesungen, gebetet und getafelt. Typische Speisen aus dem Mansfelder Land wie Harzer Käse, Fettbemme, Hackepeterbrote und “Kumpeltod” und ein kräftiger Bergmannstrunk kommen dabei auf den Tisch.

Zwei Tage später am Nikolaustag freuen sich Kinder über mit Süßigkeiten gefüllte Schuhe. Der Namensgeber für den Nikolaustag, ein mildtätiger Bischof, hat für Sachsen-Anhalt eine weitere Bedeutung. Hier, im Land der Ottonen, bestimmte ihn einst Theophanu zum Hausheiligen. Sie war die Frau Ottos II. und Schwiegertochter Ottos des Großen. Fortan wurden viele Kirchen dem Heiligen Nikolaus geweiht, 27 Kirchen sind in Sachsen-Anhalt noch heute zu besuchen.

 

Am 3. Adventswochenende lohnt sich eine Reise in die Altmark im Norden Sachsen-Anhalts. Dort wird am 15. und 16.12. im Freilichtmuseum Diesdorf zum historischen Weihnachtsmarkt eingeladen. Das Freilichtmuseum gilt als die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland und vereint auf sechs Hektar historische Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Gärten und alten Obstgehölzen. Auf dem Weihnachtsmarkt werden alte altmärkische Volksbräuche gezeigt, das Backhaus wird angeheizt, Frauen weben, klöppeln und spinnen. In eine andere Zeit werden Gäste an diesem Wochenende in der altmärkischen Hansestadt Werben versetzt. Die kleinste Hansestadt der Welt ist bekannt für ihren Biedermeier-Weihnachtsmarkt. Die Marktfrauen tragen derbe Schürzen und Hauben, die feinen Herren Gehrock, Zylinder und Backenbart, die Damen Reifröcke und Hüte. Die Werbener erinnern so an die Biedermeierzeit, in der das Ideal der familiär-intimen Weihnachtszeit entstand – geprägt von häuslicher Gemütlichkeit, nett verpackten Geschenken, Christbaum und Glaskugeln.

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Höhepunkt der Weihnachtszeit ist das Weihnachtsfest, das vor allem im Harz mit vielerlei Brauchtum verbunden ist. Nachdem am Vorabend allerorten Geschenke verteilt wurden, erwacht zum Beispiel der Luftkurort Altenbrak am 25. Dezember von einem ohrenbetäubenden Lärm. Um 5.45 Uhr stampfen Männer durch den Ort, knallen mit Peitschen und schütteln schwere Ledermatten mit Messingschellen auf ihren Rücken. Der Krach verkündet die Abreise des Rauschebarts in die Harzberge. Nach einem Frühschoppen werden hernach Männer über ein Fass gezogen. Wer das aushält, wird in die Brauchtumsgruppe „Weihnachtsmänner” aufgenommen. Ein Spektakel, das jedes Jahr mehr Neugierige anlockt.

In der Silvesternacht werden auch in Sachsen-Anhalt die Geister ganz unchristlich mit Knall und Rauch vertrieben. Und am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, schließt sich der Weihnachtskreis.
Kathrin Wöhler